Art Salon Zürich 2026: Wenn Kunst Fragen stellt und die Fantasie auf Reisen schickt
Aktualisiert: vor 11 Minuten
Wie oft bleiben wir vor einem Kunstwerk stehen und vergessen für einen Moment alles um uns herum?

Bei der VIP-Eröffnung des Art Salon Zürich am 22. Oktober in der Halle 622 durfte ich gleich mehrere solcher Momente erleben. Werke, die mich innehalten liessen, meine Gefühle berührten und mich gedanklich weit über Zürich hinausführten.
Felix Dörrenbecher: Die Antwort liegt vielleicht in uns selbst

Die Skizzen von Felix Dörrenbecher gefielen mir ungemein. Er schafft es, mit den Gefühlen der Betrachtenden zu spielen und einen in eine vollkommen andere Szene zu entführen.
Beim Betrachten entstehen Fragen: Was geschieht hier? Was ist diesem Moment vorausgegangen? Und weshalb löst diese Szene gerade dieses Gefühl in mir aus?
Die Antworten bleiben offen. Also bleibt man stehen, schaut genauer hin und sucht weiter.
Irgendwann vielleicht auch weniger im Bild als in sich selbst.
Genau das machte seine Arbeiten für mich so fesselnd. Ich wollte meinen Blick kaum lösen, als könnte sich beim nächsten Hinsehen doch noch etwas offenbaren. Der Moment der Erlösung erfoglt, als ich von meiner Begleitung mit einem Drink überrascht wurde.

Isa Dahl: Hypnotisiert von einer türkisen Wellenblume
Bei Isa Dahl war es eine strahlende türkise Arbeit, die mich unmittelbar in ihren Bann zog. Für mich wirkte sie wie eine Wellenblume: fliessend, leuchtend und voller Bewegung. Je länger ich hinschaute, desto stärker zog sie mich hinein.
Die in Stuttgart lebende Künstlerin studierte an den Kunstakademien in Stuttgart und Düsseldorf und schloss ihre Ausbildung als Meisterschülerin von Dieter Krieg ab. Ihre abstrakte Malerei zeichnet sich durch leuchtende Farben und eine eindrucksvolle räumliche Tiefenwirkung aus.

Wer ihre Arbeiten ausserhalb der Messe entdecken möchte: Noch bis zum 25. Oktober 2026 ist sie gemeinsam mit dem Bildhauer Daniel Wagenblast in der Ausstellung «SHOWTIME» in der Galerie Hovestadt in Nottuln zu sehen.
David Moreno: Eine gedankliche Reise nach Asien
Wie in der Mode erlebe ich auch in der Kunst inzwischen seltener diesen unmittelbaren Überraschungsmoment. Umso schöner, wenn er plötzlich da ist.
David Moreno hat mich mit seinen Werken für einen Augenblick nach Asien versetzt.
In meiner Vorstellung sass ich in einem flachen Fischerboot und glitt langsam über das Wasser. Vom Ufer zogen die Düfte asiatischer Küchen zu mir herüber, während mein Blick über Hütten wanderte, wie ich sie mit Myanmar verbinde.

Diese Reise entstand ganz in meiner Fantasie. Morenos Werke gaben den Anstoss – und plötzlich stand ich gedanklich an einem völlig anderen Ort.
Wenn Kunst Erinnerungen und Sinnfragen weckt
David Morenos Werke führten mich gedanklich zurück nach Asien – und zu einer besonderen Zeit in meinem Leben, in der ich mehrere Wochen lang einen buddhistischen Mönch begleiten durfte.
Diese Erinnerung ist mit einer persönlichen Suche verbunden. Als ich während meines militärischen Auslandseinsatzes unter Beschuss geriet, öffneten sich in mir neue Fragen nach dem Leben, seiner Vergänglichkeit und dem, was uns Halt gibt.
Seither beschäftige ich mich mit unterschiedlichen Religionen, alten Überlieferungen und mythologischen Erzählungen. Ich habe den Koran, die Bibel und die Bhagavad Gita gelesen. Mich interessiert, wie Menschen verschiedener Kulturen Sinn finden, mit Unsicherheit umgehen und ihrem Leben Orientierung geben. Dabei begegne ich den unterschiedlichen Glaubensrichtungen mit Neugier und Respekt.
Vor Morenos Arbeiten kamen einige dieser Erinnerungen und Fragen wieder an die Oberfläche. Für einen Moment verbanden sich die Kunst vor mir und meine eigene Geschichte. Vielleicht berührt mich Kunst gerade dann besonders: wenn sie etwas in mir anspricht, für das ich selbst noch keine abschliessenden Worte gefunden habe.
Halle 622: Kunst mit eigenem Flair
Auch meine ehemalige Kooperationspartner Halle 622 trägt zum Erlebnis bei. Ihre besondere Atmosphäre gibt der Kunst Raum und der Messe einen eigenen Charakter. Für mich fühlte sich der Art Salon wie eine kleinere, überschaubare Zürcher Variante der Art Basel an.
Man kann sich treiben lassen, vor einem Werk verweilen und mit einem ganz anderen Eindruck weitergehen, als man ihn beim ersten Blick erwartet hätte.
Mein Besuch hat mich daran erinnert, wie viel entstehen kann, wenn ich mir Zeit zum Betrachten nehme. Manche Werke hinterlassen eine Frage, andere eine Farbe oder eine ganze Landschaft im Kopf.
Deinen Besuch planen
Der Art Salon Zürich findet vom 22. bis 25. Oktober 2026 in der Halle 622 statt. Auf die Vernissage am Donnerstag folgen die öffentlichen Messetage:
Freitag, 23. Oktober: 12–20 Uhr
Samstag, 24. Oktober: 12–20 Uhr
Sonntag, 25. Oktober: 12–18 Uhr
Adresse: Halle 622, Therese-Giehse-Strasse 10, 8050 Zürich-Oerlikon.
Das reguläre Ticket wird mit CHF 27 angegeben; die Halle 622 nennt Tagestickets ab CHF 17. Die passende Ticketkategorie findest Du im offiziellen Ticketverkauf.
Vom Bahnhof Zürich-Oerlikon erreichst Du die Halle in wenigen Gehminuten. Und für einen Zwischensnack liegt das Center Eleven direkt gegenüber – ein Ort, mit dem ich persönlich verbunden bin: Über drei Jahre durfte ich das Einkaufszentrum beruflich betreuen. Ein Kunstbesuch lässt sich hier für mich deshalb wunderbar mit einem kleinen Wiedersehen verbinden.




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